Bemerkungen zu den Rezensionen und zur Entstehungsgeschichte der PDF-Version des vergriffenen Buches
Bemerkungen zu den Rezensionen
Ich gebe hier bewusst alle Rezensionen an, die ich zu dem Buch von 2002 erhalten habe, in alphabetischer Reihenfolge:
1. Prof. Hantel, Wien. Erschienen
in der „Meteorologische Zeitschrift“ der Deutschen,
Österreichischen und Schweizerischen Meteorologischen Gesellschaften.
2. Dr. Hauschild, Leipzig. Erschienen im Internet bei Amazon.
3. Dr. habil. Herzog, Potsdam.
Erschienen in „DMG- Mitteilungen“. Organ der Deutschen
Meteorologischen Gesellschaft.
4. Prof. Lotze, Jena. Erschienen
in „Praxis der Naturwissenschaften: Physik in der Schule“
Aulis Verlag.
5. Dr. Raasch, Hannover.
Erschienen in „Promet“, Fortbildungszeitschrift im Selbstverlag
des Deutschen Wetterdienstes.
6. Prof. Warnecke, Berlin. Dem Reimer-Verlag zur Verfügung gestellt, von diesem nicht verwertet.
Die ersten fünf der aufgelisteten Rezensionen sind wie angegeben veröffentlicht worden, die sechste war, wie ich zufällig erfahren hatte, meinem Verlag zugestellt worden, der sie jedoch ebenso wenig wie die anderen 5 Rezensionen zu Werbezwecken verwendet hatte. Auf der Internetseite des Verlages las man während der Verkaufsphase neben dem Angebot meines Buches die Bemerkung "Keine Rezensionen vorhanden". Meine wiederholten Nachfragen wegen dieser falschen Angabe wurden sinngemäß damit beantwortet, dass der Internetauftritt von einem übergeordneten Verlags-Verbund gestaltet wird, und dass es "schwierig" sei, darauf Einfluss zu nehmen. Somit kenne ich den Inhalt der Rezension von Prof. Warnecke nur deshalb, weil er auf meine Bitte hin den Text mir ebenfalls zugeschickt hatte.
Die Referenzen zum Vorgängerskript beziehen sich auf mein 1994 erschienenes Vorlesungsskript, das ein Vorläufer meines Lehrbuches von 2002 war. Ich gebe hier Auszüge aus meiner Privatkorrespondenz mit Kollegen in anonymisierter Form wieder.
Ich danke allen Rezensenten ganz herzlich dafür, dass sie die große Mühe einer Buchkritik auf sich genommen haben. Dass in fünf Fällen das Pendel zwischen Lob und Tadel sehr weit in Richtung Lob ausschlug und nur in einem Fall etwa in der Mitte blieb, freut mich selbstverständlich außerordentlich, ist aber nicht der eigentliche Grund für meinen tief empfundenen Dank. "Merkwürdiger Weise" möchte ich den vielen Anerkennungen nicht widersprechen, aber auf zwei der Kritiken möchte ich wegen einiger punktueller Missverständnisse doch zu sprechen kommen.
Zur Kritik von Dr. Raasch, Hannover
Diese Kritik endet mit dem Satz "Trotz der genannten Mängel ist das Buch … durchaus empfehlenswert". Wiederum ganz herzlichen Dank, (wirklich ehrlich gemeint), denn aufgezeigte Mängel sind immer gut, weil sie die Chance implizieren, persönliche Fortschritte zu machen. Aber leider ist mir oftmals nicht klar geworden, welche Mängel hier gemeint waren. Wenn die Kritik die war, über so allgemeine Themen wie die Verallgemeinerung der Hamiltonschen Energietheorie zu einer Energie-Wirbeltheorie geschrieben zu haben, oder die Chaostheorie, deren Bedeutung überall ganz heftig diskutiert wurde und wird, kann ich darin keine "Einseitigkeit" und auch keine "fehlende Ausgewogenheit" erkennen. Wenn ich dagegen dem Vorschlag des Rezensenten entsprochen hätte, über "Inertialbereich und Kolmogorov-Spektrum" zu schreiben, wäre die Kritik der Einseitigkeit berechtigt gewesen, denn erstens sind das viel speziellere Themen als diejenigen, die ihnen zum Opfer gefallen wären, und zweitens wäre das nun wirklich ein Thema aus dem eigenen Hause gewesen, denn das war das Thema meiner eigenen Diplomarbeit vor über 40 Jahren.
Die Kritik, dass das Buch für einen "Grundkurs" zur Theorie der Atmosphäre einfach zu umfangreich sei, beruht tatsächlich auf einem Missverständnis. Nach meinem Verständnis beschreibt das Word "Grundkurs" die Absicht, gründlich und grundlegend zu informieren, und nicht kurz und knapp. - Als wesentlicher Schwachpunkt des Buches wird angeführt, dass es zu wenige Abbildungen enthält. Das mag stimmen. Zwar hat sich Prof. Warnecke in seiner Rezension die Mühe gemacht, nachzuzählen und dabei 105 Tabellen, Grafiken und Schaubilder gefunden, aber das mag noch immer zu wenig sein. Ich gebe aber zu bedenken, dass mehr Abbildungen entweder das Buch noch dicker - und teurer - gemacht hätten, oder auf Kosten mancher Texte gegangen wären, die ja netterweise in der Rezension an mehreren Stellen als anschaulich, grundlegend, allgemein und ausführlich charakterisiert worden sind.
Zur Kritik von Prof. Hantel, Wien
Es fällt mir schwer, ausgerechnet zu dieser sehr gewogenen und sehr kompetenten Kritik von Prof. Hantel an einer Stelle eine korrigierende Anmerkung machen zu müssen. Gemeint ist die Passage:
"Die Änderung der inneren Energie wird zerlegt in eine systeminterne Änderung (Index i an der totalen Zeitableitung) und eine Änderung durch Wechselwirkung mit der Umgebung (Index a). Diese Schreibweise hat gegenüber der integralen Formulierung, wie etwa Prigogine sie benutzt, den Nachteil, dass man totale Zeitableitungen mit Index einführen muss, die als eigene Operatoren gar nicht definiert sind."
Da das Buch ja nun direkt von meiner Homepage aus einsichtig ist, kann ich durch drei direkte Hinweise auf Textstellen zu dem obigen Part der Rezension Stellung nehmen.
1) In Kap.1 "Thermodynamik", Seite 16, habe ich darauf hingewiesen, dass mit den Symbolen keine totalen Differentiale (also auch keine totalen Zeitableitungen) gemeint sind, denn in der 5. Zeile von unten steht sinngemäß "di und da sind ebenso wenig totale Differentiale wie die "Delta-Symbole" zur Kennzeichnung von Arbeit und Wärme".
2) Aus Kap.2 "Nablarechnung und Hydrodynamik", Buchseite 114 (PDF-Seite 50), geht hervor, dass ich nicht nur die Prigogine'schen Formulierungen von 1971 ausgewertet habe, sondern auch die von Gyarmati (1970) und die von Baranowski (1975).
3) Der wichtigste Punkt, ohne den ich diese ganze Diskussion für entbehrlich erachtet hätte, ist aber folgender: Es stimmt nicht, dass die Operatoren di und da nicht definiert wären. Diese Definitionen sind ja in Kap.2 "Nablarechnung und Hydrodynamik", Buchseite 107/108 (PDF-Seiten 43/44) angegeben! Es war gerade die Motivation für mein sehr umfängliches, jahrelanges (wenn auch sporadisches) Nachdenken, einen paradoxen aber äußerst verbreiteten Umgang mit der Thermodynamik verstehen zu wollen, nämlich den, dass so gut wie jeder Wissenschaftler diese "Nichtdifferentiale" ablehnt bis verteufelt, sie aber dennoch "ständig" benutzt!
Die Auflösung dieser Paradoxie sehe ich als den größten eigenen inhaltlichen Beitrag zu diesem Buch an. Sie ergab sich durch eine 1:1 Beziehung zwischen den Gleichungen der Thermodynamik und der Hydrodynamik, wie ich sie auf den genannten Buchseiten darstelle und beweise. Diese Beziehung ergibt sich aber nur unter zwei Voraussetzungen:
Erstens musste die "Thermodynamik der
Hauptsätze" so verallgemeinert werden, dass nicht nur die Erhaltung der
Energie eine Rolle spielt (wie im 1.Hauptsatz), sondern auch die Erhaltungseigenschaft
von Impuls und Masse (wie in der Hydrodynamik).
Zweitens musste die ungeliebte Aufspaltung von d in di und da
tatsächlich erfolgen! Dann aber ergeben sich die Definitionen von di
und da ganz natürlich und Term für Term durch die genannte 1:1 -
Zuordnung. (Auf Seite 125 (PDF-Seite 61) wird dieses Konzept auch auf den 2.Hauptsatz
und die hydrodynamische Entropiebilanzgleichung ausgedehnt).
Ich meine also, letztlich die Hydrodynamik und die Thermodynamik dadurch "vereinigt" zu haben, dass ich die Thermodynamik mit ihren Nichtdifferentialen auf "Kürzel" für Terme der hydrodynamischen Bilanzgleichungen zurückgeführt habe, die ja ihrerseits auf die genannten Erhaltungseigenschaften zurückzuführen sind. Somit erhalten einerseits die Nichtdifferentiale ihre Definitionen (!), und andererseits erhalten die fehlenden Erhaltungssätze Einzug in die Thermodynamik. Damit ist auch die Paradoxie beseitigt, dass zwei Beschreibungsweisen der Physik auf das gleiche System "Atmosphäre" angewendet werden, obwohl die eine Beschreibungsweise nur die Energieerhaltung, die andere aber zusätzlich die Erhaltung zweier weiterer Größen verwendet. (Darüber hinaus habe ich die Thermodynamik der Hauptsätze auch zurückgeführt auf eine "reduzierte" Form der Gibbs'schen Thermodynamik, die damit ebenfalls einen Bezug zur Hydrodynamik erhalten hat. Und auch einen Hinweis auf einen Bezug zur "verallgemeinerten Thermodynamik" der spanischen Schule konnte ich geben).
Ich muss aber zugeben, dass ich diese Zusammenhänge in meinem Buch nicht deutlich genug betont habe, denn sie sind von vielen Lesern nicht bemerkt worden. In den Rezensionen z.B. sind sie nur von Herrn Dr. habil. Herzog aus Potsdam gewürdigt worden. Offenbar ist mir die Darstellung von Ergebnissen anderer Theoretiker besser gelungen als meine eigenen Ergebnisse. So gesehen ist Herrn Prof. Hantel ganz besonders zu danken, dass er, als einer der ganz wenigen, das "heikle" Thema der Nichtdifferentiale überhaupt angesprochen hat, und mir dadurch Gelegenheit gab, das im Buch Versäumte hier ein wenig nachzuholen.
Bemerkungen zur Geschichte und Form der vorliegenden PDF-Version
Als mein Buch vergriffen war, der Verlag sich gegen eine Neuauflage entschieden hatte und ich die Rechte am Manuskript vertragsgemäß zurückbekommen hatte, bat ich um Rücksendung der von mir erbrachten originalen Druckvorlage, des letzten, heute nicht mehr möglichen Gesamtausdruckes des in Jahrzehnten unter DOS entstandenen Manuskriptes. Die Bitte um Rückgabe wurde jedoch dahingehend beantwortet, dass das Manuskript dem Verlag während eines Berlin-internen Umzuges verlorengegangen war – einschließlich aller Rezensionen! Die vorher angegebene offizielle Begründung für den Verzicht auf die Neuauflage war allerdings eine "Marktsättigung", die der sehr speziellen Thematik des Buches geschuldet sei. Dem widersprach jedoch eine anhaltende Nachfrage bei mir persönlich, die mich bewog, als "Notlösung" erst einmal die für ein Fachstudium wichtigsten Teile des Buches als Copyshop-Bindung zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen. Nachdem auch diese Bindungen ausverkauft sind, habe ich mich für die hier angebotene PDF-Version entschieden.
Da die Original-Druckvorlage verloren ist, konnte ich sie weder für die Copyshop-Bindung noch für die PDF-Version benutzen. Ein Neuausdruck der ChiWriter-Files war deshalb nicht möglich, weil ich die entsprechende DOS-Hardware nicht mehr hatte. Vielfache Konvertierungsversuche der DOS-Texte (aus dem "ChiWriter"-Format) scheiterten ebenfalls. Ich musste daher sowohl für die Copyshop-Bindung als auch für die PDF-Version auf meinen vorletzten Gesamtausdruck zurückgreifen, der zum Glück nicht allzu weit entfernt vor dem Endausdruck vorgenommen wurde und den ich noch aufbewahrt hatte. - Im Inhaltsverzeichnis der PDF-Version sind allerdings einige Kapitelnmmern durchgestrichen, weil die Copyshop-Bindung eine gekürzte Version war. Die hier zur Verfügung gestellte vollständige PDF-Version enthält natürlich auch die zu den durchgestrichenen Kapitelnummern gehörenden Texte.
Falls es jemanden interessiert: Mein persönlicher Verdienst als Buchautor belief sich auf minus 4500 €, da der Verlag als Voraussetzung der Buchveröffentlichung bei einem Verkaufspreis von 36 € einen entsprechenden Druckkostenzuschuss erhoben hatte. Aber die überwältigende Resonanz auf das Buch, nicht nur in den Rezensionen, sondern auch in vielfältigen und vielfachen Kontakten, hat mich mehr als entschädigt! Und ich stelle nun das Buch als freie PDF-Version leichten Herzens zur Verfügung! Niemand sollte bei seiner Verwendung ein schlechtes Gewissen haben, allerdings wäre bei einer Verwertung in eigenen Veröffentlichungen ein korrektes Zitieren sehr erwünscht.